Ein Modell für das Energiesystem der Zukunft

Im interaktiven Netzwerk des Energiemarktes werden Strom und Gas von Informationen begleitet.

Im Projekt Smart Watts arbeiten seit Dezember 2008 sechs Unternehmen an innovativen IT- und Kommunikationslösungen für das Energiesystem der Zukunft. Auf der Seite der Energiewirtschaft wird das Projekt über die Smart-Metering-Kooperationsgesellschaft utilicount von 15 kommunalen Versorgungsunternehmen getragen. Es fokussiert daher mit seinen technischen Spezifikationen und Geschäftsmodellen auf den Markt der Stadtwerke. Das Vorhaben wird im Rahmen des E-Energy-Programms vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert (siehe Kasten). Mit einem Feldversuch sollen die Entwicklungsergebnisse von Smart Watts in der Modellregion Aachen demonstriert werden.  

Neuer Markt braucht neue Verfahren

Seit der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes 1998 sind die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen des Energiemarktes umfassend modernisiert worden. Das Energiesystem, also die technisch-organisatorische Grundlage, hat bei diesem Wandel jedoch nicht Schritt gehalten. Nur wenn der Energiemarkt im Internetzeitalter ankommt, können die Chancen der Liberalisierung voll genutzt und die künftigen Herausforderungen bewältigt werden: Die Zahl der Erzeuger und Lieferanten steigt ­weiter an. Auch durch den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien und dezentraler Erzeugung verändert sich das Marktgeschehen. Spezialisierte Akteure entstehen auf allen Wertschöpfungsstufen. Die Verknappung der Erzeugungskapazitäten und der fossilen Energieträger führt zu weiter steigenden Energiepreisen und – noch verstärkt durch die fluktuierende Einspeisung von Windenergie – steigenden Energiepreisvolatilitäten. Dadurch nimmt auch die Bedeutung des Risikomanagements zu. In der Folge steigt die Zahl der Transaktionen, um Versorgungsgeschäfte abzuwickeln und abzusichern. Mit der heute noch verbreiteten sehr ineffizienten Informationsnutzung sind diese Veränderungen nicht zu meistern, ebenso wenig mit dem überholten Ansatz, der Verbrauch sei quasi naturgesetzlich gegeben und habe dem Verbrauch zu folgen.

Potenziale besser nutzen

Die Konsequenz ist ein Auseinanderklaffen von „Wollen“ des Marktes und „Können“ der technischen Instrumente und somit eine Behinderung der energiepolitischen Ziele. Der gewünschte Wettbewerb auf Seiten der Erzeugung und der Energielieferanten kann sich nicht optimal entfalten. Es gibt wenig Differenzierungsmöglichkeiten für die Anbieter. Erneuerbare Energien sind dem Markt entzogen und müssen bei der Einspeisung in das Verbundsystem mit hohem Aufwand veredelt werden. Viele Potenziale zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung bleiben ungenutzt – die Energiekosten steigen für die Verbraucher stärker als nötig. Selbst wenn sie wollten, könnten die Kunden ihren Verbrauch nicht an der aktuellen Angebotssituation ausrichten – es fehlen ihnen dafür die nötigen Informationen und Entscheidungsmöglichkeiten.

 
   
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