04. Februar 2009

Aachen ist drin

Projekt Smart Watts erprobt das Internet der Energie

Aachener Wissenschaftler und Ingenieure hatten den richtigen Riecher: Als sie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Oktober 2007 einen Projektvorschlag mit dem Titel „Smart Watts - Steigerung der Selbstregelfähigkeit des Energiesystems durch eine angebotsabhängige Beeinflussung des Nachfrageverhaltens von Endkunden und die Etablierung eines Internets der Energie“ vorlegten, war die Vorstellung eines Internets der Energie in Deutschland praktisch unbekannt. Heute ist der Begriff zu einem stehenden Ausdruck in der Fachwelt geworden. Er steht für eine grund­legende Modernisierung der informationstechnischen Organisation des Energiesystems und für die Erwartung eines Innovationsschubs, der auch auf benachbarte Märkte beispielsweise der Hausgeräte und der Haustechnik ausstrahlen wird.

Am 4. Februar wurde das Smart-Watts-Projekt mit einer Auftaktveranstaltung in Aachen offiziell gestartet. Gisela Nacken, Planungs- und Umweltdezernentin der Stadt, und die sechs Konsorten begrüßten etwa 100 Teilnehmer im futuristischen SuperC der RWTH, das einen passenden Rahmen für den Anlass bildete. Vorausgegangen war im Dezember 2008 die offizielle Bewilligung einer Förderung in Höhe von rd. 10 Mio. € durch das BMWI im Rahmen des Leuchtturmprojektes E-Energy. „Das Förderprogramm E-Energy der Bundesregierung entwickelt und erprobt in sechs Modellregionen neue Ansätze zur Optimierung der Energie­versorgung durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikations­technologien (IKT),“ so Dr. Michael Zinke, der für das Programm verantwortliche Vertreter des BMWi auf der Veranstaltung. „Mit einer Förderung von zusammen 60 Mio. € wird ein Gesamtvolumen von rund 140 Millionen Euro mobilisiert. E-Energy soll das Optimierungs­potenzial der IKT erschließen, um mehr Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit sowie Klima- und Umwelt­verträglichkeit in der Stromversorgung zu erreichen.“

Das Smart-Watts-Projekt sieht das künftige Energiesystem als ein Energie-Web, in dem eine Vielfalt von Erzeugern, Lieferanten, Dienstleistern und Kunden in unterschiedlichsten Konstellationen miteinander agieren. Mit dem Projekt werden konkrete Strukturen eines Internets der Energie entwickelt, die eine intelligente Vernetzung der Akteure und Anlagen entlang der Wertschöpfungskette, von der Erzeugung bis zum Verbraucher erlauben. „Die Energie wird durchgängig von Informationen über den aktuellen Preis und die Herkunft der Energie begleitet. Diese Informationen können beispielsweise dazu genutzt werden, dass sich die Wärmepumpe vorzugsweise dann einschaltet oder das Elektroauto dann aufgeladen wird, wenn die Strompreise gerade günstig sind, weil viel Windkrafteinspeisung im Netz ist“, sagte Reinhard Goethe, Geschäftsführer der Aachener utilicount. Innovative neue Strom­tarife werden damit möglich, die dem Kunden und dem Versorgungsunternehmen Kosten­vorteile eröffnen. Und mehr Transparenz über Verbrauch und Kosten helfen, den Kunden für ein sparsames und preisbewusstes Verbrauchsverhalten zu sensibilisieren. Handels­prozesse werden stärker automatisiert, um die Effizienz und Sicherheit der Abwicklung zu steigern. Die Vernetzung mit dem Internet der Energie lässt die Intelligenz moderner Hausgeräte und Haustechniksysteme erst richtig zur Geltung kommen. So steigen Nutzen und Komfort, und doch bleibt Energie bezahlbar. Effizienterer Energie­einsatz bedeutet: weniger CO2-Emissionen. Effizientere Nutzung der vorhandenen Netzeinrichtungen erlaubt einen größeren Einsatz Erneuerbarer Energie bei gleichzeitiger Begrenzung der Kosten.

Ab Ende 2010 wird die STAWAG die Ergebnisse des Projekts in einem Feldversuch mit rd. 500 Haushalten in der Modellregion Aachen erproben, berichtete Dr. Peter Asmuth, Vorstand des Aachener Energieversorgers. Die beteiligten Haushalte werden eine neue Generation elektronischer Energiezähler erhalten. Ergänzend können sie intelligente Hausgeräte erwerben, die auf die Preissignale der Zähler reagieren können. Das Projektkonsortium bemüht sich darum, auch eine Reihe von Elektrofahrzeugen in den Modellversuch zu integrieren, deren Batterien sich sehr gut als Speicher für die fluktuierende Einspeisung von Windenergie eignen. Abschließend stellte Professor Ulrich Daldrup für den Forschungs­verbund Energy Hills e.V. fest: „Mit dem Projekt Smart Watts wird die Städteregion einmal mehr ihrer zunehmenden Bedeutung als Energieregion gerecht.“
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http://www.smartwatts.de/

Ansprechpartner der Smart-Watts-Konsorten,
bearbeitetes Thema im Rahmen des Projektes:

Smart Metering – Intelligente Energiezähler;
Konsortialführer, verantwortlich für die Pressemeldung:
utilicount GmbH & Co. KG,
Reinhard Goethe, r.goethe@utilicount.com; Tel. 0241 – 413 20 700

Smart Architecture – Strukturen des Internets der Energie:
FIR Forschungsinstitut für Rationalisierung e.V.,
Peter Laing, peter.laing@fir.rwth-aachen.de

Smart Portfolio – Neue Funktionen in Portfoliomanagement, Prognose und Abrechnung:
PSI Büsing und Buchwald GmbH,
Sarai Kölle, s.koelle@psi-bub.de

Smart Market – automatisierte Energiehandelsplattform:
SOPTIM AG,
Dr. Hans Röllinger, roellinger@soptim.de

Smart Demand – Kommunikationsmodul für intelligente Hausgeräte:
Kellendonk Elektronik GmbH,
Peter Kellendonk, kellendonk@kellendonk.de

Feldversuch in der Modellregion Aachen:
Stadtwerke Aachen AG,
Corinna Bürgerhausen, corinna.buergerhausen@eva-aachen.de

Weitere Projektpartner u. a.: EnCT GmbH, Freiburg; Fraunhofergesellschaft IIS, Nürnberg; DIN, Berlin; ProCom AG, Aachen; RegioIT GmbH, Aachen;

 
   
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